HUSUMER NACHRICHTEN
Zu den Wurzeln zurückgekehrt
Landschaften und Menschen haben ihr Leben geprägt. Und deshalb prägen sie auch ihre Malerei. Zu Nordfriesland hat die Human-Medizinerin Nastjenka Berndt eine besondere Beziehung. Anfang der 60-er Jahre hängten Mutter und Vater ihre gut dotierten Jobs an den Nagel und übersiedelten nach Sylt - "stiegen aus, wie so viele damals". Hier wurde Nastjenka 1966 geboren. Doch der Strom der Zeit trieb sie schon bald hinaus in die große weite Welt. Die Familie, ihr Vater war Maler, zog nach Winnipeg - im kanadischen Bundesstaat Manitoba. Nastjenka studierte Medizin, arbeitete unter anderem als Ärztin in Saudi-Arabien. In Brunei baute sie die dortige Herzchirurgie mit auf. Zuletzt war Berndt in Berlin und Hamburg tätig. "Aber da habe ich mich nicht wirklich wohl gefühlt", sagt sie und nahm es als Wink des Himmels, dass sie am Rande des G-8-Gipfels - "ich war da als Ärztin eingesetzt" - eine Husumerin traf. "Die erzählte mir, dass das Klinikum NF eine Anästhesistin sucht."
Berndt bewarb sich und wurde genommen. Auch ein Haus fand sie schnell : In der Wasserreihe 52 stand das einstige Tabak- und Puppenmuseum von Helmut "Flohi" Schwermer zum Verkauf. "Liebe auf den ersten Blick", schwärmt Berndt, die das Haus nach eigenen Plänen entkernte und restaurierte. Neben der Fassade blieb der vertraute Glockenklang am Eingang erhalten. Alles andere wurde in Monate langer Arbeit auf den neuesten Stand gebracht.
Zur "Patchwork-Biografie" von Nastjenka Berndt gehört auch ihre lebenslange Leidenschaft für die Malerei. Um dieser optimal nachgehen zu können, ließ sie das Haus so umbauen, dass neben dem Atelier auch Platz für Ausstellungen blieb. Berndt ist froh, nicht von der Kunst leben zu müssen, doch für den reinen Selbstzweck ist sie ihr auch wieder zu wichtig. Und so wird es in der Wasserreihe 52 künftig Ausstellungen geben. "Später vielleicht auch mit den Werken anderer Künstler." Aber zunächst will sie ihre eigenen Bilder zeigen. Und in den beherrschen - wie schon gesagt - Menschen und Landschaften die Szenerie. "Mein Vater war Landschaftsmaler. Deshalb habe ich mich zunächst auf das Figürliche konzentriert", erklärt sie.
Doch die anfängliche Zurückhaltung hat sie inzwischen abgelegt, folgt den Spuren ihres Vaters, ohne ihn jedoch kopieren zu wollen. Vielmehr bewegen sich ihre Arbeiten auf dem schmalen Grat zwischen Wirklichkeitserlebnis und Abstraktion. Das reale Ereignis ist Ausgangspunkt ihrer Malerei, strebt jedoch durch den Einsatz der Farben nach Autonomie. Wichtig ist Berndt die emotionale Bindung zum Bildgegenstand. In ihren jüngsten Gemälden ist sogar noch eine radikale Loslösung von Form und Gegenstandsfarbe zu beobachten.
Wer sich selbst einen Eindruck von der Malerei Nastjenka Berndts machen will, hat dazu am Pfingstsonnabend, 10. Mai, ab 11 Uhr Gelegenheit. Neben ihren eigenen Werken zeigt die Künstlerin von diesem Tag an Holzskulpturen von Christoph Hahn.








